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Analyse Boden: Modulare Marktmacht

Analyse Boden: Modulare Marktmacht
27. November 2019
Foto: MeisterWerke, Text: Jens Lehmann

Bodenbeläge werden immer kreativer und individueller. Für nahezu jedes Problem gibt es eine Lösung und für jeden Kundenwunsch das passende Angebot. Eine Analyse des Bodenmarkts zeigt: Der fortwährende Trend zum Holzdekor beschert dem einstigen Platzhirsch Parkett massive Konkurrenz. Den Rang als erfolgreichster Replikator muss das Laminat an den Designbelag abtreten.

BodenmarktWer hätte das gedacht: Als sich vor 30 Jahren der Laminatboden anschickte, echte Holzböden zu kopieren, glaubte niemand, dass diese neue Produktgattung einen so kometenhaften Aufstieg hinlegen würde. Auch wenn einige Leser heute eine gespaltene Meinung zu dem Produkt haben, hatten die Raumausstatter und Bodenleger einen entscheidenden Anteil am Erfolg der Holzwerkstoff-Elemente. Erst mit der Erschließung des DIY-Klientels und der Abwärtsspirale bei den Quadratmeter- preisen nahm das Interesse an dem Produkt beim Fachhandwerk langsam wieder ab. Die Zeiten, in denen für einen Quadratmeter fertig verlegten Pergo-Laminats 120 DM aufgerufen wurden, waren schnell wieder vorbei. Dabei zeigt die Entwicklung des Produkts bis heute Vorbildcharakter und stand Pate für viele Innovationen auch in anderen Bodenbelagsgattungen wie dem Designbelag.

 

LVT sind nicht mehr wegzudenken
Anders als viele vermuten, war der Designbelag auch schon im letzten Jahrhundert ein ausgereiftes und angesagtes Produkt: Ein professionell verlegter Quadratmeter Amtico-Boden wurde Ende der 1990er-Jahre mit 90 DM vergütet! Insbesondere die gute Objekteignung – die Strapazierfähigkeit, Reinigungsfreundlichkeit und repräsentative Optik – ebnete den Luxury Vinyl Tiles, kurz LVT, den Aufstieg. Heute sind sie aus dem Angebotsspektrum der meisten Hersteller nicht mehr wegzudenken und dominieren in immer wieder neuen Konstruktionen die Kommunikation zwischen Industrie und Handel sowie zwischen Handel und Verbraucher. Je nach Verband und Marktforschungsinstitut schwanken die Angaben zur abgesetzten Menge in Deutschland erheblich. 50 Millionen Quadratmeter Fliesen und Planken aus Kunststo könnten 2018 verlegt worden sein, das wäre rund die Hälfte aller elastischen Bodenbeläge. Da der Markt zusehends unübersichtlicher und die Handelswege vielfältiger werden, könnte die Menge auch noch deutlich darüber liegen. So tauchen viele Direktimporte – auch von namhaften Großhändlern – in keiner detaillierten Statistik auf und landen doch in deutschen Wohnzimmern und Ladengeschäften. Der Designbelag schickt sich also an, dem Laminatboden den Rang abzulaufen, wenn er es nicht schon getan hat. Der Verband der Europäischen Laminatboden-Hersteller gibt den Absatz seiner Mitglieder in Deutschland 2018 mit 52 Millionen Quadratmeter an – Tendenz fallend. Mit Stagnation muss der Echtholzboden seine Marktposition verteidigen. Optimistische Marktbeobachter schätzen den Absatz auf 19 Millionen Quadratmeter, Pessimisten sehen das Volumen bereits auf 15 Millionen abgerutscht. Für viele bleibt die Hoffnung, dass sich Parkett gerade im Fachhandwerk zur Premiumnische entwickelt. Der Nimbus des Originals kann dazu beitragen, aber vielleicht auch ein aktuell erstarkender Verbraucherwunsch zu mehr Nachhaltigkeit.

Am Fachmann führt kein Weg vorbei
Zwei wesentliche Faktoren bestimmen derzeit die Entwicklung am Markt: die Macht der modularen Bodenbeläge und die des Holzdekors. Während Bahnenware Spezialanwendungen im Objekt vorbehalten bleibt, dominiert im Wohnbereich und auch auf vielen gewerblichen Flächen das Element. In Fliesen- und Plankenformaten, zum Kleben oder Klicken sind Kunststoffböden nicht nur handlicher geworden, sondern auch individueller. Im Fahrwasser dieser Entwicklung spüren auch textile Bodenbeläge in Modulen wieder eine stärkere Nachfrage. Gerade diese neue Individualität und Modularität macht den Boden als Betätigungsfeld für den Raumausstatter wieder interessant, liegt doch die Gestaltung in der DNA seines Berufs. Mit einem kreativen Ansatz kann er seinen Kunden echte Unikate anbieten und eben nicht nur die Lösung von der Rolle. Dadurch kommt er auch aus der Vergleichbarkeit mit Fach- und Baumärkten, die oft das (optisch) gleiche Produkt bewerben, heraus. Seine Differenzierung erfolgt dann nicht über den Preis, sondern über die maßgeschneiderte Lösung. Dazu gehört natürlich nicht nur die Begabung, das ihm zur Verfügung stehende Angebot kreativ zu kombinieren, sondern auch das Know-how, eine fachgerechte Verlegung abzuliefern. Denn gerade in diesem Punkt führt derzeit am Fachmann kein Weg vorbei: Wird auch die eigentliche Verlegung der Bodenbeläge immer einfacher, ist die Untergrundvorbereitung etwas für Spezialisten und sollte dementsprechend kalkuliert werden.

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