Raumausstatter

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Meister? Ja bitte! – Leserbrief von Harald Schlapp

Meister? Ja bitte! – Leserbrief von Harald Schlapp
04. Mai 2016
Foto: AGSR

Darmstadt. Der Verlust der Meisterpflicht im Raumausstatterhandwerk wiegt für viele schwer. Die Angst vor einem Qualitätsverlust der gesamten Branche treibt den ein oder anderen um. Dies zeigt auch ein Leserbrief von Harald Schlapp, Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft der südhessischen Raumausstatterinnungen (AGSR.de).

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie wird man eigentlich Raumausstatter? Lehre, Gesellenprüfung, Berufserfahrung Meisterschule, Meisterprüfung, Selbstständigkeit? Ja, wir alten Haudegen wir kennen das so. Aaaabbber…. heute sieht die Wahrheit leider anders aus. Jeder gelangweilte „Dosenkicker“ von der Straße kann aufs Amt laufen, ein Gewerbe anmelden und ist dann, frei nach dem Motto „So schwer kann das doch nicht sein!“ innerhalb kaum einer halben Stunde zum Raumausstatter mutiert und stürzt sich auf die Kunden. Ergebnis? Entsprechend mies!

Es hilft nichts, dies zu beklagen, dass ist schließlich vom Gesetzgeber so festgelegt worden. Alle haben das so akzeptiert. Alle? Nein! Die verschworene Gemeinschaft selbstbewusster Fachbetriebe leistet Widerstand: die Innung! Ein Faktor des Widerstands gegen den Verfall der Qualität ist die ordentliche Ausbildung, letztlich gekrönt durch den höchsten Abschluss, den Meisterbrief!

Im Wettbewerb mit den zahlreichen, oft minderqualifizierten Quereinsteigern a la „Dosenkicker – zu schlau für eine Ausbildung“ hilft nur eines, Kompetenz und Qualität! Und wie belegen wir den Kunden diese Eigenschaften? Vor allem durch die beim Verbraucher mit Vertrauen und Anerkennung ausgestatte Meisterwürde. Dafür setzen sich die Innungen ein und verleihen ihren Fachbetrieben das Zunftzeichen des Raumausstatterhandwerks, dass bekannte rot-weiße R-Zeichen!

Dabei tun die Innungen noch mehr! So wie beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft der südhessischen Raumausstatterinnungen AGSR. Gegründet vor nahezu vier Jahrzehnten wurden in den berufsbegleitenden Meisterkursen der AGSR inzwischen erfolgreich hunderte Raumausstattermeisterinnen und Meister ausgebildet. Einen Meisterkurs durchzuführen, ist eine Herausforderung und bedeutet Arbeitsaufwand, der nur mit viel ehrenamtlichem Einsatz zu bewältigen ist. Dabei legen wir großen Wert auf Modernität und Qualität in der Schulung und anspruchsvolles Niveau bei den Anforderungen der Prüfung. In den letzten Jahren waren immer wieder Absolventen der AGSR unter den ausgezeichneten 10 Besten des Jahrgangs der Meisterabsolventen aller Berufe! Wir sind stolz auf diese Leistung, die möglich ist, durch den Willen und die Lernbereitschaft Meisterschüler und deren Unterstützung durch unser bewährtes Teams von Ausbildungsmeistern aus der Praxis.

Die AGSR ist heute der letzte Maßnahmenträger in Hessen, der eine Teilzeit-Schulung für die fachpraktischen Teile anbietet. Was früher üblich und sogar notwendig war, die Meisterschule neben dem Beruf zu besuchen, ist aus dem Blick verschwunden. Propagiert wird heute die Vollzeitausbildung als schneller und effizienter. Die Obermeister der AGSR sehen dies nicht so! Tatsächlich hat eine Vollzeitschule nicht nur Vorteile: hohe Kosten, Arbeitsunterbrechung mit Einkommensverlust und evtl. Reise und Unterbringungskosten. Dagegen bietet die AGSR mit dem Konzept der Samstagsbeschulung ein Teilzeit-Angebot, dass sich auch an Teilnehmer richtet, die nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung sind. Zugegeben, Teilzeitausbildung erfordert mehr Disziplin und eigenständigen Lernfleiß um das Ziel zu erreichen, doch der Erfolg bestätigt uns.

Es bleibt festzustellen: was wir brauchen, ist die Meisterprüfung! Den letzten Lehrgang der AGSR hatten 9 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfolgreich abgeschlossen, davon mehr als die Hälfte mit „Guten“ bis „Sehr Guten“ Noten! Die Handwerkskammer zeichnet jährlich die besten Junghandwerker aus. Darunter unsere Lehrgangsabsolventin, Raumausstattermeisterin Sandra Beilmann.

So sagte der Obermeister und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Heinz Müller, zur erfolgreichen Prüfung: „In unserem Beruf ist es heute etwas besonderes Meister zu werden. Es erfordert viel zeitlichen und finanziellen Einsatz, der Arbeits- und Lernaufwand ist enorm. Trotzdem gibt es junge Leute, die sich dieser Herausforderung stellen und den Meisterbrief erlangen. Bei solchem Nachwuchs und diesen Leistungen mach ich mir um die Qualität unseres Raumausstatterberufs in der Zukunft etwas weniger Sorgen.“

Ihr
Harald Schlapp
Arbeitsgemeinschaft der Südhessischen Raumausstatterinnungen (agsr.de),
Hindenburgstraße 1, 64295 Darmstadt, info@agsr.de

Was sagen Sie dazu? Wir freuen uns über Ihre Meinung! Schreiben Sie an rz@winkler-online.de!

Foto: Meisterschüler nach bestandener Prüfung im Kreise der Referenten und Prüfer

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